Staatspreis für beispielhafte Waldwirtschaft 2005



Staatspreis
Dipl. Ing. Abt Gotthard Schafelner und Oberförster Ing. Josef Wampl
freuen sich über die zuerkannte Auszeichnung

Nicht nur innerhalb des Forstbetriebes ist die Freude über die Verleihung dieses Staatspreises groß. Insbesondere auch der Konvent freut sich über diese Auszeichnung, die die vorbildliche Arbeit der Verantwortlichen in unserem Forstbetrieb verdientermaßen honoriert. Abt Gotthard und Oberförster Wampl gebührt großer Dank für die verantwortungsbewußte Arbeit, durch die uns dieser Preis zuerkannt wurde.

Im folgenden die Vorstellung unseres Forstbetriebes aus der Sonderbeilage der Österreichischen Forstzeitung anläßlich des Staatspreises für beispielhaft Waldwirtschaft 2005

Waldbewirtschaftung mit Verantwortung
Benediktinerstift Lambach in Oberösterreich

Seit dem Gründungsjahr 1056, somit beinahe 950 Jahre, wird das Benediktinerstift Lambach mit Holz aus den Stiftswäldern beheizt. Aber auch darüber hinaus war der Wald für das Stift immer von großer Bedeutung und hat wesentlich zu dessen Bestand beigetragen. Die Bewirtschaftung der Stiftswälder erfolgt mit großer Verantwortung für das Stift und die mit ihm verbundenen Menschen. Unter Leitung von Abt Gotthard, Absolvent der Studienrichtung Landwirtschaft der Universität für Bodenkultur, und Oberförster Ing. Josef Wampl, hat die Waldbewirtschaftung des Stiftes heute eine wichtige Beispielswirkung für die gesamte Region. Der land- und forstwirtschaftliche Betrieb des Stiftes Lambach umfasst 468 ha Wald und 125 ha Landwirtschaft (verpachtet).

Schwieriger Waldumbau
Die Waldflächen des Stiftes Lambach, Seehöhe 350 bis 500 m, liegen auf Standorten, die schwierig zu bewirtschaften sind. So einerseits seichtgründige Kalkrendsinaböden über Schotter entlang der Traun, andererseits ausgeprägte Pseudogleye. Auf beiden Standorten gibt es Probleme mit der Fichte: Borkenkäfer, Kleine Fichtenblattwespe, Große Fichtenblattwespe, Sturm (1990, „Wiebke“, 20.000 fm Schadholz). Die Altbestände weisen einen hohen Anteil an Fichte auf, geringe Beimischung von Tanne, Lärche und Stieleiche, auf den Schotterterrassen auch Buche und Esche. Die Fichtenbestände auf den Pseudogleyböden weisen überdurchschnittlich gute Bonitäten auf.

Seit knapp 20 Jahren wird intensiv versucht, den hohen Anteil der Fichte durch Umwandlung beziehungsweise Überführung in laubholzreiche Bestände zu verringern. Noch dringender wurden diese Bemühungen durch die teils katastrophalen Blattwespenschäden, wobei sich zum Dauerschaden durch die Kleine Fichtenblattwespe seit 2001 der lokale Fraß durch die Große Fichtenblattwespe gesellte. Um Grundlagen für die weitere Vorgangsweise zu erhalten, wurden in Zusammenarbeit mit dem Landesforstdienst und dem Waldbauinstitut der Universität für Bodenkultur Standortskartierungen vorgenommen und mehrere Versuchsflächen angelegt.

Bei der Endnutzung dominiert derzeit der Kahlschlag, da die durch die Große Fichtenblattwespe stark geschädigten Fichtenbestände in kurzer Zeit genutzt werden müssen. Für die Bestandesbegründung werden auf den schweren Standorten Stieleiche, Hainbuche, Bergahorn, Lärche, Weißtanne und Kirsche verwendet, auf den Schotterstandorten Ahorn, Lärche, Kirsche und Naturverjüngung (Esche, Buche). Der Pflege der jungen Laubholzbestände wird besonderes Augenmerk zugewendet. Der Anteil der Naturverjüngung ist standortsbedingt sehr unterschiedlich. Teilweise verhindern dichter Brombeerbewuchs und vor allem überhegte Rehwildbestände das Aufkommen der Naturverjüngung. Da die Waldflächen stark zerstreut liegen, ist die Ausübung der Jagd in Eigenregie nicht möglich.

Überbetriebliche Tätigkeit
Die Waldarbeit erfolgt durch Bauernakkordanten aus der Umgebung. Die Forstverwaltung des Stiftes ist Mitglied der WWG „Raum Lambach“. Bereits vor der Gründung dieser Gemeinschaft wurden Forstpersonal und stifteigene Maschinen auch überbetrieblich eingesetzt. Es ist auch üblich, dass im Kleinwald Hilfestellung, zum Beispiel bei der Aufarbeitung von Windwurf- oder Käferholz, geleistet wird.

Wasser - Wärme - Arbeitsplätze
1996 wurde für das Stift eine Hackgutheizung errichtet, die zu 100% mit Waldhackgut aus den Stiftsforsten (etwa 2500 srm) betrieben wird. Mit dem geplanten Neubau einer Landwirtschaftsschule geht die Planung einer Hackgutheizung der 2. Generation einher (künftiger Jahresbedarf 6000 bis 7000 srm Waldhackgut).

Die Stiftsforstverwaltung ist seit jeher ein bedeutender Brennholzlieferant. Die Produktpalette reicht von der Brennholz- Werbung ab Stock bis zur Ofenholz-Zustellung im Karton. 500 bis 600 rm werden jährlich vorrangig an ältere Kunden der umliegenden Pfarren bereitgestellt. Zunehmend entwickelt sich der Verkauf von Waldhackgut, wobei vor allem sehr trockenes Hackgut sortierter Qualität angeboten werden kann (jährlich 2500 srm).

In enger Zusammenarbeit mit dem oberösterreichischen Landeswasserversorgungsunternehmen dient etwa ein Drittel der Stiftswaldfläche dem Wasserschutz, um Trinkwasser bester Qualität und mit höchster Versorgungssicherheit der Bevölkerung zur Verfügung zu stellen.

Durch die vielfältigen Aktivitäten der Stiftsforstverwaltung wird eine relativ große Zahl an Arbeitsplätzen gesichert. Dies wird noch verstärkt durch den eigenen Maschinenpark (5 Traktore, 2 Hackmaschinen, 3 Tandemkipper, usw.).

Eine verpachtete Forstschottergrube mit Frischbetonwerk, sowie die Fischereiverwaltung von 24 km Flüssen, Bächen, Teichen und einer kleinen Fischzucht sind wesentliche Nebenbetriebe. Bei der Fischerei wird besonders darauf geachtet, dass dem „kleinen Mann vor Ort“ und besonders den Schülern erschwingliche Lizenzangebote zur Verfügung gestellt werden.

Die Einstellung eines Stiftes zu den Menschen der Region und zur Natur erfordert eine besondere Verantwortung bei der Bewirtschaftung des Waldes. Dieser Verantwortung kommt das Stift Lambach in beispielhafter Weise nach.